Am 6. März 2018 versammelten sich rund 1.600 Teilnehmer zur größten deutschsprachigen Konferenz zur Zukunft der Arbeit – natürlich durfte auch combine Consulting hier nicht fehlen. Wie wohl kaum ein zweites Thema bewegt die Art, wie zukünftig gearbeitet wird, die Gemüter. In Zeiten beschleunigter Digitalisierung bot die New Work Experience die große Bühne und zugleich eine intensive Austauschplattform zur Transformation der Arbeitswelt.
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Die diesjährige New Work Experience (kurz „NWX18“) stand, wie es der Name schon vermuten lässt, ganz im Zeichen der „Neuen Arbeit“. Doch was genau ist eigentlich „neu“? Und wie lässt sich das Neue mit dem Alten vereinen? Welche Veränderungen zieht „New Work“ mit sich? Diese und viele weitere innovative Themen wurden während der eintägigen Konferenz aus den verschiedensten Perspektiven beleuchtet. Bereits in der Begrüßung durch die Moderatoren wurden erste plakative Anzeichen der „Neuen Arbeit“ deutlich: Das „Du“ zwischen allen Teilnehmern sowie der Verzicht auf Krawatten während der Veranstaltung wurden ausgerufen.

Die erste Keynote von Philosoph, Autor und Publizist Richard David Precht kam pointiert zur wesentlichen Veränderung zwischen unserer heutigen und der zukünftigen Arbeit: Die Digitalisierung werde viele einfache Routinearbeiten erleichtern und langfristig ersetzen. Neben den Veränderungen für Unternehmen, die beispielsweise andere Arbeitnehmertypen benötigen würden als sie es bisher gewohnt waren, werde auch die Gesellschaft eine „tektonische Verschiebung“ erleben, ist sich Precht sicher. Die von Politikern stets angestrebte Vollbeschäftigung werde langfristig hinfällig, denn es werde nicht für jeden in seiner beruflichen Laufbahn weit fortgeschrittenen Arbeitnehmer die geeignete Folgetätigkeit geben – und das sei auch gut so. Zukünftig sollten wir uns immer mehr mit dem Gedanken vertraut machen, einen Großteil unserer Tätigkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) verrichten zu lassen und uns somit den Freiraum für erfüllende(re) Aufgaben zu nehmen. Natürlich stelle sich hier die Frage, was wir mit den Menschen machen, die es nicht mehr schaffen, sich in die digitale Arbeitswelt hineinzudenken und andere Tätigkeiten zu finden. Die Antwort auf diese Frage könne laut Precht nur „bedingungsloses Grundeinkommen“ lauten. Als Finanzierungsidee schlägt er hier eine Steuer auf Finanztransaktionen vor, denn schon weniger als ein Prozent Steuer auf jede Transaktion würde in Deutschland reichen, um jeden Menschen mit 1.500 Euro monatlichem Grundeinkommen zu unterstützen.

Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber (Informatiker, wissenschaftlicher Direktor bei IDSIA, einem Schweizer Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz und Mitgründer NNAISENSE) brachte den Zuhörern in seinem Vortrag näher, wozu Künstliche Intelligenz heute schon in der Lage wäre und welche Arten von Künstlicher Intelligenz wir alle bereits täglich mit unseren Smartphones nutzen würden. Übersetzungsprogramme (beispielsweise bei Facebook) lernen mit jeder Übersetzung dazu. Aber die KI könne schon deutlich mehr. Bisher meist nur im Labor eingesetzte Roboter lernen eigenständig, für Herausforderungen des Alltags Lösungen zu finden. Dabei wird ihnen sogar eine Art künstliche Emotionalität programmiert, die helfen soll, gute von schlechten Lösungswegen zu unterscheiden, zum Beispiel über künstlichen Schmerz.

Emotionalität ist auch für Janina Kugel (Chief Human Resources Officer und Mitglied des Vorstands der Siemens AG) ein wesentlicher Faktor für die Arbeit von morgen: „Der Mensch ist und bleibt Mittelpunkt trotz allen technischen Fortschritts“, ist Janina Kugel überzeugt. Hierarchien der alten Welt hätten ausgedient, es gehe um ein gemeinschaftliches Miteinander.

Auch für Götz W. Werner (Gründer und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens dm-drogerie markt) ist klar, dass gute Führung nur von Herz zu Herz funktionieren könne. Die große Kraft der deutschen Wirtschaft werde zukünftig in der Teamfähigkeit und dem gemeinsamen kreativen Schaffen liegen, um Innovationen voranzutreiben. Das fleißige „Abarbeiten“ werde schon bald von Maschinen in allen Industrieländern ebenso gut oder sogar besser erledigt. Uns bliebe die Empathie oder wie es Götz W. Werner erfragt: „Ist der Mitmensch, Kollege, Kunde für mich Mittel oder Zweck?“. Für den langfristigen Erfolg könne es nur eine Antwort geben.

Dass aber auch zwischenzeitliche Rückschläge durchaus zu einem langfristigen Erfolg beitragen können, berichtete die renommierte Violinistin Ji-Hae Park, die nach privaten Rückschlägen und Depressionen dem „fleißigen Abarbeiten ihrer Trainingsstunden“ den Rücken gekehrt und sich dem kreativen Neuerfinden ihrer Musik gewidmet hat. Ihre Geschichte passt insofern in die Thematik der „Neuen Arbeit“, als dass es darum geht, einen Sinn in dem zu finden, was wir täglich tun, und selbst zu entscheiden, was wir wie machen. Götz W. Werner meint dazu: „Es bedarf keiner Unterscheidung in Frei- und Arbeitszeit. Schon heute ist alles Lebenszeit.“ Und diese gilt es stets mit Sinn zu füllen – zukünftig noch mehr als heute. Jede Handlung beginnt beim Denken, vor dem Denken gibt es manchmal sogar das Träumen. Wenn Menschen jedoch handeln ohne darüber nachzudenken, dann wird woanders für sie gedacht – und erst recht geträumt. Dafür kommt kein Mensch auf die Welt.

Text: Björn Kitow, combine Consulting GmbH

Blick von der Elbphilharmonie
Blick von der Elbphilharmonie, Hamburg

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