Was erwartet uns im Büro der Zukunft? Drei Dinge, die uns positiv nach vorne blicken lassen.

Max Frisch beschreibt Krise als einen produktiven Zustand, dem man nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen muss. Und so war es in der Tat im letzten Jahr: Wir standen vor neuen Herausforderungen, haben uns gewundert, gehadert und schließlich neue Wege und nachhaltige Lösungen gefunden. Gefühlt über Nacht wurde mobiles Arbeiten flächendeckend umgesetzt. Wir durften erleben, dass mobiles Arbeiten Smart Working für alle Bürobeschäftigen möglich ist, dass Home Office wie alles im Leben seine guten und schlechten Seiten hat, dass Digitalisierung keine Frage des OB, sondern des WANN und WIE ist, und dass New Work nichts für den Stuhlkreis einer Arbeitsgruppe ist, sondern den Weg zu einer neuen Wirklichkeit weist. Endlich denken wir darüber nach, was Menschen gerne und motiviert ins Büro bringt, was sie für gute Arbeit brauchen, und wie Raum dabei unterstützen und ein Erlebnis sein kann.

Während bis dato die Haltung der Unternehmen Home Office betreffend überwiegend ablehnend war – die meisten erlaubten es gar nicht oder nur in Ausnahmefällen – und vielen die technische Infrastruktur dafür fehlte, wird nun gejubelt, dass New Work doch eine tolle Sache sei. Dabei wurden erst mit der Industrialisierung Arbeit und Privat getrennt. Und heute feiern wir den Weg zurück als große Errungenschaft? Richard Florida nennt das flächendeckende Home Office und unseren durch Teams-Besprechungen getakteten Alltag „ein gigantisches Menschenexperiment“. Der Kollateralschaden für Organisationen ist noch nicht absehbar.

Und dennoch: im Internet finden sich simple Rechenmodelle, um den Dreisprung „Home Office – Desksharing – Flächeneinsparung“ zu kalkulieren. Die NZZ hat im Sommer sogar schon den Nachruf aufs Büro veröffentlicht. Wir bei combine sind dagegen überzeugt, dass das Büro nicht nur überleben, sondern zu einer neuen Blüte kommen wird. Wir sind nun am Arbeitspunkt, dass die Diskussion über die Funktionalität eines zeitgemäßen Büros in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist. Der Geist ist aus der Flasche: Unternehmen werden es sich nicht mehr leisten können, sich der neuen Realität zu verschließen. Denn der Kampf um die besten Talente wird zunehmend auf überregionaler und internationaler Ebene ausgefochten. Drei Themen werden also die Diskussion über die Zukunft des Büros bestimmen:

  1. Das Büro bildet traditionell die jeweilige Organisation ab und wird zum Ausdruck für Hierarchie und Macht genutzt. Im letzten Jahr haben Führungskräfte aber lernen müssen, jenseits dieser Symbolik wirkungsvoll zu agieren. In Teams und Zoom sind alle gleich, das Vorzimmer funktioniert digital nicht. Welchen Raum brauchen also Führungskräfte zukünftig, wenn Management ohne räumliche Symbolik auskommt und sehr homogen wird? Wie lassen sich Leitinstrumente weiterentwickeln?
  2. Büros sind überwiegend auf Funktionalität und Effizienz getrimmt. In der Folge saugen sie Energie und schwächen uns, anstatt Orte der Inspiration zu sein. Ursprünglich, in den Schreibstuben mittelalterlicher Klöster, ging es darum, das Kostbare schützen. Heute ist das Kostbare der Mensch, mit seinen vielfältigen Fähigkeiten und Potenzialen. Diese zu entwickeln und zu pflegen, ist die zentrale Aufgabe des Büros. Statt also mobiles Arbeiten als Mittel zu Effizienzmaximierung zu sehen, muss die Qualität der Fläche in den Fokus rücken, um Raum für Kultur, Identität, Leidenschaft und Sinn zu schaffen.
  3. Den Weg zurück zum alten Modell der Anwesenheitspflicht werden sich Unternehmen nicht leisten können. Wenn es aber keinen Grund mehr gibt, ins Büro zu kommen, dann muss das Büro mehr sein als ein Ort zum Arbeiten. Das Office muss zum Erlebnis werden, das Begeisterung schafft. Ein Ort, an dem räumlich verteilte Teams sich regelmäßig treffen, wird anders genutzt als für tägliche Routinen. Gleichzeitig braucht es aber auch weiter diese Orte, da nicht jeder im Home Office arbeiten will oder kann.
Dr. Sandra Breuer

Unsichere Zeiten bringen immer das Versprechen ungeahnter Möglichkeiten mit sich. Die aktuellen Entwicklungen sollten uns deshalb optimistisch stimmen, besonders was die Zukunft unserer Arbeitsräume anbelangt. Wir bei combine werden die angehende Diskussion mit Spannung weiterverfolgen und mitprägen.

Bilder: Marek & Beier Fotografen (Sandra)
Im Bild: Dr. Sandra Breuer ist Geschäftsführerin im Berliner Büro von combine und Vordenkerin in Sachen Zukunft der Arbeit.