Die meisten von uns gehen gern ins Theater, die Oper oder ins Museum. Es sind kulturelle Erlebnisse, die es schaffen, nahezu alle Sinne gleichzeitig anzusprechen. Es sind Orte, die uns informieren und gleichzeitig inspirieren können und, wenn wir Glück haben, haben wir währenddessen eine richtig gute Zeit und gehen beschwingt nach Hause.

Sollte Ähnliches nicht auch für die Orte gelten, in denen wir arbeiten?

Moderne Arbeitswelten sollten eine Umgebung anbieten, die uns inspiriert, in der wir Neues lernen und uns kognitiv weiterentwickeln können. Wenn wir uns dann noch gerne dort aufhalten, haben wir eine „Win-win-win-Situation“ für alle Beteiligten.

Was können wir von den großen und kleinen Bühnen dieser Welt auf das Büro übertragen?

Szenografen lernen im Studium, wie man Räume konzipiert, die als Grundlage für Theater- und Opernstücke oder Ausstellungen dienen. Sie inszenieren Räume, die einem dramaturgischen Kontext folgen und die Besucher mit ihrer Narration durch das Theaterstück führen. Einer ähnlichen Grunddynamik sollte der Entwurf eines Bürokonzepts folgen, immer in Kombination mit dem inhaltlichen Kontext, der durch das jeweilige Unternehmen mitdefiniert wird.

Bühnenbildner nutzen Räume, um Geschichten zu erzählen und ein gutes Büro muss ebenfalls in der Lage sein, eine Geschichte zu erzählen – die Geschichte des Unternehmens und der Nutzer, die darin arbeiten. Sie ist identitätsstiftend und verbindet die Philosophie mit der Kultur eines Unternehmens im Raum.

Mann in Lichtquelle

Die Geschichte beginnt bereits beim Öffnen des Vorhangs bzw. beim Betreten des Gebäudes: was erblickt man zuerst und warum? Welche Geste möchte man setzen? Wie möchte man als Unternehmen gesehen werden? Die Gestaltung des Eingangsbereichs setzt den Ton für das dann folgende Raumdesign und ist zentrales Gestaltungselement der Fläche. Zugleich ist dieser Raum auch oftmals der Ausgang aus der Bürofläche und muss bei der Gestaltung entsprechend mitgedacht werden. Man entwirft also gleichzeitig auch den Ort, an dem sich der Vorhang schließt und den Besucher:innen und Arbeitskolleg:innen als letztes sehen, bevor sie von der Anonymität der Stadt wieder verschluckt werden.

Foyers sind zumeist öffentliche oder zumindest halböffentliche Bereiche. Viele Unternehmen verpassen bislang noch die Chance, diese Außenwirkung zu nutzen und die Räume als Visitenkarte des Unternehmens zu etablieren. Wie wollen wir wahrgenommen werden? Seriös, konservativ, kühl? Traditionell, professionell und bodenständig? Modern und offen? Laut, bunt und jung? Gerade bei Besucherverkehr hat man hier einen ersten repräsentativen Auftrag, den es zu nutzen gilt.

Apropos repräsentativer Auftrag: für Marken und Unternehmen ist es wichtig, dass die zweidimensionale Unternehmens- oder Markenkommunikation, die sogenannte Corporate Identity, durch eine dreidimensionale Gestaltung ergänzt wird. Die CI beginnt zu leben und spiegelt sich durch haptische und visuelle Reize im Raum wider. Das Zusammenspiel von Raumformen, Materialien, Möbeln, sowie der gezielte Einsatz von Licht und Farben sprechen alle Sinne an und erzeugen bei den Mitarbeitenden und Besucher:innen Emotionen. Und das ist doch am Ende genau das, was wir von einem guten Theaterstück und Büro erwarten.

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