14.10.2020. Die Themen Home Office und Büro der Zukunft werden aktuell unter Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden heiß diskutiert. Denn warum soll man noch physisch einen bestimmten Ort aufsuchen müssen, wenn man eigentlich auch von überall aus arbeiten kann? Hat die Corona-Pandemie der Digitalisierung nicht neuen Schwung verliehen und ihr in der deutschen Arbeitswelt zum Durchbruch verholfen? Wollen die Angestellten denn eigentlich überhaupt wieder zurück ins Büro?

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Die Arbeitnehmenden kommen im Home Office gut zurecht

Meetings über Zoom, Google Meet oder Microsoft Teams bestimmen für viele Deutsche mittlerweile den Alltag. In einer GfK-Befragung im Auftrag von Microsoft Deutschland und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gaben 67 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie sich aufgrund der Krise an neue Arbeitsweisen gewöhnen mussten. 45 Prozent der Befragten gehen außerdem davon aus, dass das Home Office bleiben wird – auch über die akute Krise hinaus.

Die Befragten der GfK-Studie fühlen sich für die neue Arbeitsweise gut gerüstet: 69 Prozent sagen, dass sie sich schnell in schwierigen Situationen zurechtfinden, 59 Prozent setzen sich gern mit neuen Arbeitsweisen und Technologien auseinander.

Im Home Office fehlt der soziale Austausch

Die combine-Umfrage „Homeoffice und die Rückkehr in den Arbeitsalltag“ zeichnet ein ähnliches Bild: Die Mehrheit der Teilnehmenden (59 Prozent) kann die Arbeitsaufgabe genauso gut zu Hause wie im Büro umsetzen. Dies liegt vor allem daran, dass sie sich besser konzentrieren und sich die Arbeit frei einteilen können. Trotzdem sehen die Befragten Defizite: So gab ein Teil an, dass der fehlende Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen sie in ihrer Arbeitsleistung hemmt. Sozialer Kontakt und die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Privatem sind auch die Hauptgründe, wieso 73 Prozent der Befragten sich nicht vorstellen können, nur noch im Home Office zu arbeiten.

Fazit: Jede Arbeit, die wir alleine ausführen, können wir überall erledigen, unabhängig vom Ort. Aber jenseits von Automatismen und Digitalisierung erfordert ein Großteil moderner Berufe, dass wir zusammenkommen, miteinander kommunizieren und interagieren.

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Das Büro der Zukunft ist ein Ort der Identität  

Dr. Sandra Breuer, geschäftsführende Gesellschafterin von combine, erklärt: „Wenn Arbeiten auf einmal überall stattfinden kann, muss es einen Ort der Identität geben. Einen Ort, von dem man weiß: Hier ist meine Arbeit, hier sind meine Kolleginnen und Kollegen, hier gehöre ich hin.“ Denn was im Home Office am meisten fehlt, ist der soziale Austausch: ein kurzer Faktencheck mit dem Kollegen, ein spontanes Brainstorming mit der Kollegin oder ein Gedankenaustausch an der Kaffeemaschine,  um den Kopf frei zu bekommen. So zufrieden und produktiv die Arbeitnehmenden im Home Office sind, so sehr leiden ihrer Meinung nach soziale Kontakte und kreativer Austausch darunter. Das heißt: Es bedarf Orte des Austausches, der Identitätsstiftung und der Kollaboration.

Büros müssen in Zukunft Zusammenarbeit fördern

Ergonomischer Drehstuhl, Schreibtisch und Besprechungsraum – damit ist es heutzutage nicht mehr getan. Das Wechselspiel Raum – Verhalten – Kultur ist bei der Bürokonzeption elementar. Die Corona-Pandemie bietet uns die Chance, unsere Büroräume und deren Strukturen zu überdenken. Wie soll das Büro der Zukunft aussehen? Arbeitskultur und Arbeitsorganisation („Behavior“), das Gebäude („Bricks“) sowie die technische Infrastruktur und Ausstattung („Bytes“) sind dabei die drei Grundsäulen, auf denen das Büro von morgen aufgebaut sein sollte. Denn allein technische Voraussetzungen und ein physisches Gebäude machen noch kein gutes Bürokonzept. Die Arbeitskultur ist entscheidend. Raum braucht Kultur – Kultur braucht Raum.

Das Büro der Zukunft wird zum Smart Workspace oder Coworking Space

Wenn Arbeitskultur und Kollaboration zwei treibende Kräfte für besseres Arbeiten sind, bieten Coworking Spaces dann nicht die Lösung? Hier arbeiten unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Unternehmen und Organisationen. Hier kann man auf die kreativsten und unkreativsten Köpfe treffen. Und das kann inspirieren und motivieren. Allerdings können Coworking Spaces die erforderlichen Abstandregelungen oft nicht einhalten, es sind nicht unbedingt Wohlfühlorte, sondern oftmals unfunktionale Arbeitsorte auf kleinstem Raum. Auch beim Datenschutz haben Coworking Spaces aufgrund der räumlichen Enge deutliche Defizite. Das heißt natürlich nicht, dass das Anmieten von Arbeitsplätzen in einem Coworking Space keine Alternative zum eigenen Firmenbüro sein kann. Aber ob es tatsächlich die eigenen Büroräumen ersetzen kann, muss jede Organisation genau für sich prüfen. Die Notwendigkeit, die unternehmerische Identität und Kultur sichtbar und erlebbar zu machen, lässt sich in eigenen Büroflächen besser realisieren.

Ein anderer Ansatz ist die Weiterentwicklung des Firmensitzes zum sogenannten Corporate Coworking Space, einer aktivitätsbasierten Arbeitswelt, in der räumliche Trennung und Hierarchiegrenzen aufgelöst werden. Teamarbeit, Selbstbestimmung und persönliche Produktivität bekommen mehr Raum. Im Grunde geht es darum, vielseitige Angebote zu schaffen, die je nach Tätigkeit und Aufgabe Möglichkeiten für jede individuelle Präferenz bieten: Formelle und informelle Orte, Kaffee-Lounges, ein großes Sofa, Think Tanks, Räume für analoge Workshops und vieles mehr. Natürlich müssen in einem Corporate Coworking Office die technischen Voraussetzungen und eine sehr gute Organisation gewährleistet werden.

Büro? Ja, aber bitte anders! Was muss für die Zukunft des Büros beachtet werden?

Jetzt ist der Moment, aus den vergangenen Monaten unter Einfluss der Corona-Pandemie zu lernen und neu anzufangen. Die ambivalenten Erfahrungen aus dem Home Office müssen evaluiert werden, damit daraus Maßnahmen für eine neue Arbeitskultur und -fläche geschaffen werden können. Wichtig ist, dass ein Umdenken und ein Mentalitätswandel stattfinden, denn Digitalisierung und Automatisierung rücken Innovation und Kreativität in den Fokus. Und in welchen Momenten finden die genialen Einfälle, die Geistesblitze statt? Am aufgeräumten, genormten Schreibtisch? Wohl eher nicht. Meistens doch eher dann, wenn wir uns an einem „Wohlfühlort“ befinden, uns bewegen oder im Austausch mit anderen Menschen sind. Partys finden bekanntlich immer in der Küche statt. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn ein neues Bürokonzept geschaffen wird, dann sollte es so ausgerichtet sein, dass es diesen Prämissen genügt. Ein identitätsstiftendes Umfeld, funktional vielseitige Raumkonzepte und eine emotional aufgeladene Atmosphäre sollten im Vordergrund stehen, wenn es um die Frage geht, was sich nach Corona in unseren Bürowelten verändern sollte.

Bilder: Unsplash