Wie lange die Pandemie unsere Gesellschaft noch im Griff haben wird, lässt sich heute nur schwer vorhersagen. Doch eins steht fest: Die Arbeitswelt hat sich in den letzten zwei Jahren grundlegend gewandelt, ein „back to normal“ ist auch nach Ende der COVID-Einschränkungen unwahrscheinlich. Denn dafür genießen Homeoffice und Co. bei Arbeitnehmer:innen inzwischen einen zu hohen Stellenwert, wie zahlreiche Umfragen belegen.

Es überrascht also nicht, dass die Tech-Avantgarde des Silicon Valley bereits den nächsten Coup wittert: Das „virtuelle Büro“ soll sein reales Pendant in wenigen Jahren ablösen, so die Vision. Arbeitnehmer:innen können sich dann in digitalen Räumen treffen, die Struktur und Funktion eines traditionellen Büros nachahmen – ohne dessen Kosten und Einschränkungen. Dabei fallen Stichwörter wie immersive oder cost efficient, und environmentally friendly will das Ganze natürlich auch sein. Aber wie soll man sich so ein Virtual Office überhaupt vorstellen? Und was hat Mark Zuckerbergs berühmt-berüchtigtes Metaverse mit dem Ganzen zu tun?

Virtuelles Büro: was darunter zu verstehen ist

Ein Virtual Office ist in erster Linie ein mit Kollaborations- und Kommunikationstools ausgestatteter digitaler Raum, der die Eigenschaften und Interaktionsmöglichkeiten eines traditionellen Büros nachahmt. In diesem Sinne unterscheidet sich das virtuelle Büro von bestehenden Anwendungen wie Slack oder Teams, die auf digitale Kommunikation und Kooperation ausgerichtet sind.

Während die Funktionalitäten dieser Tools im virtuellen Arbeitsraum integriert sind, bietet dieser darüber hinaus auch die Möglichkeit, Gruppenarbeit in digitale Räume zu strukturieren, die oft Erscheinung und Ausstattung eines „echten“ Büros imitieren. Ähnlich wie in einem Videospiel können sich Teilnehmer:innen als kleine Avatare zwischen diesen Räumen bewegen und die Position ihrer Kolleg:innen auf einer Karte ausmachen. Spontane Gespräche und ein schneller direkter Austausch, die oft als Quintessenz kreativer Zusammenarbeit gepriesen werden, sollen so auch in einem digitalen Kontext ermöglicht werden

Nächster Halt: Metaverse?

Frau mit VR Brille

Und genau hier setzt auch Facebooks Mark Zuckerberg an: Mit seiner Idee, Virtual und Augmented Reality (VR und AR) zu Schlüsseltechnologien des im Aufbau befindlichen Web 3.0 zu erklären, hat er nämlich eine völlig neue Dynamik in die Entwicklung virtueller Arbeitsräume gebracht. Plötzlich scheinen Prognosen wie die des Kommunikationsunternehmens Ericsson, wonach bis 2030 über 60 Prozent der Büroarbeit in mittelständischen Unternehmen außerhalb der Büroräumlichkeiten stattfinden soll, gar nicht mehr so unrealistisch. Immersive Welten, wie sie durch VR ermöglicht werden, sollen dafür erheblich an Bedeutung gewinnen.

Schöne neue Digitalwelt, also? Womöglich ist es noch etwas früh, um den Siegeszug der digitalen Arbeitswelten zu verkünden. Viele Fragen zur tatsächlichen Umsetzung bleiben offen, stecken doch Anbieter wie Gather, Teamflow oder Virbela teilweise noch in den Kinderschuhen. Unbestritten ist dennoch, dass der pandemiebedingte Ausfall zahlreicher Großveranstaltungen und die weltweite Etablierung von Homeoffice die Investitionen in digitale Arbeitswelten beflügelt haben. In Verbindung mit anderen Technologien wie Blockchain sehen einige Beobachter:innen und Tech-Enthusiast:innen deshalb bereits eine neue Ära aufkommen, in der digitale Immobilien und virtuelle Realität zum Arbeitsalltag gehören werden.

Wie die neue digitale Welt aussehen könnte, welche konkreten Beispiele es für virtuelle Arbeitsräume bereits heute gibt, und welche Chancen sich daraus für Arbeitnehmer:innen und Unternehmen ergeben könnten, wollen wir in den kommenden Wochen gemeinsam herausfinden. Stay tuned!

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