Das Fortschreiten der Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren eine Flut von Daten freigesetzt, die unseren Arbeitsalltag zunehmend durchdringt und inzwischen auch die Gestaltung unserer Arbeitsräume und sogar die Stadtplanung verändert. Aber was bedeutet das konkret, und wie genau könnte Big Data das Büro der Zukunft prägen?

Vom Taylorismus zur Bürolandschaft

Der Gedanke, Daten zu einer effizienteren Planung von Arbeitsräumen einzusetzen, ist nicht neu und findet in den Ideen des amerikanischen Ingenieurs und Begründers der Arbeitswissenschaft Frederick James Taylor seinen wohl bekanntesten Vorläufer. Taylor versuchte, durch genaueste Zeiterfassung und detaillierte Planung von Arbeitsabläufen die Produktivität von Fabrikarbeiter:innen maximal zu steigern. Von der kritischen Wahrnehmung dieser Maßnahmen zeugen noch heute die unvergesslichen Szenen aus Charlie Chaplins Meisterwerk „Modern Times“, in denen der Schauspieler slapstickartig durch gigantische Zahnräder und Maschinen gejagt wird.

Als Reaktion auf die Kritik am Taylorismus entstanden neue Ansätze der Arbeitsraumgestaltung, die sich besonders in der Nachkriegszeit als richtungsweisend erwiesen. Dabei wurde der Fokus von der reinen Maximierung der Effizienz auf die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden verschoben, letztendlich wurde eine Humanisierung des Arbeitsplatzes angestrebt. Aus diesem Zeitgeist entstand beispielsweise das Konzept der Bürolandschaft, das dem Quickborner Team – einer der Vorgängergesellschaften von combine – zu globalem Erfolg verhalf. Quickborner-Mitgründer und Visionär Herbert Schnelle ließ sich bei der Entwicklung seiner Idee vom jungen Feld der Kybernetik inspirieren, in dem die datengetriebene Planung von Abläufen und Prozessen eine zentrale Rolle spielt.

Bild rechts: OSRAM GmbH, München, 1966: QT-Bürolandschaft

Bürolandschaft 1965. OSRAM GmbH, München

Zwischen Datenflut und Kontrollangst

Daten sind vielfältig und können unzählige Formen annehmen. Waren Schnelle und sein Team für ihre Planungen meist auf qualitative Daten angewiesen, die sie mühsam durch Befragungen und langwierige Beobachtungen sammeln mussten, hat die Digitalisierung der Arbeitswelt eine Zeitenwende eingeleitet. Noch nie waren so viele quantitative Daten in so hoher Qualität zugänglich wie heute: Smartphones, Sensoren sowie mit dem Internet der Dinge vernetzte Endgeräte ermöglichen eine Kartierung unserer Städte und Gebäude in nie dagewesener Genauigkeit.

Das bringt nicht nur Vorteile: Einerseits ist die so entstehende Datenflut schwierig zu interpretieren und analysieren, wie schon der Futurologe Alvin Toffler in seinem Buch Future Shock (1970) anmerkte. Andererseits kann die ständige Datenerfassung auch Überwachungsängste hervorrufen: „Große Mengen an Rohdaten bilden eine politische Tatsache. Die wachsenden Datenmengen führen zu einer Zentralisierung der Kontrolle“, schreibt dazu der britische Soziologe Richard Sennet.

vier Überwachungskameras an weißer Außenwand

Smart Cities: Daten als Infrastruktur

Vollkommen vernetzte Städte, in denen sämtliche Abläufe ständig überwacht, analysiert und optimiert werden – sogenannte „Smart Cities“ – bilden seit den frühen 2000er-Jahren eine Art neues Idealmodell für Stadtplaner:innen, Politiker:innen und Unternehmen. Daten werden dabei nicht nur zum planungsleitenden Faktor, sondern als städtische Infrastruktur selbst zum Planungsobjekt.

Welche Räume werden wie vernetzt? Welche Bedürfnisse werden an Plätzen, Straßen und Gebäuden gestellt, in denen Menschen über ihre Smartphones ständig miteinander kommunizieren? Welche Wirtschaftsmodelle und welche gesellschaftlichen Interaktionen ermöglichen solche Räume – zum Beispiel in Bezug auf E-Commerce, Social Media oder die Sharing Economy?

Smart City

Gleichzeitig klingt die Kritik am Smart-City-Konzept nicht ab: Neben der Überwachungsthematik gelten die schwache Ausarbeitung des Begriffs und seine mangelnde demokratische Legitimation als wiederkehrende Vorwürfe. Die berühmte Stadtsoziologin Saskia Sassen mahnte in diesem Zusammenhang dazu, dass die Technologie in den Diensten der Stadtbewohner:innen stehen müsse, und nicht umgekehrt.

Die Daten in die Dienste der Arbeitenden stellen

Einige Produzent:innen ergonomischer Büromöbel erproben zunehmend Ansätze, um einer solchen Aufforderung nachzukommen. Mit Sensoren vernetzte Einrichtung soll Daten über die individuelle Nutzung von Arbeitsräumen liefern, die von einem zentralen Dashboard anonym und sicher erfasst werden. Davon versprechen sich Unternehmen wichtige Einblicke in die tatsächlichen Bedürfnisse von Mitarbeitenden, mit dem Ziel, diese bei der Arbeitsplatzgestaltung stärker zu berücksichtigen.

Etablierte Digitalkonzerne arbeiten schon länger mit ähnlichen Methoden. Wie Microsoft-Forschungs-Lead Matthew Ayres in einem aufschlussreichen LinkedIn-Beitrag erklärt, gilt es dabei nicht zu vergessen, dass grobe Daten die unterschiedlichen Interessen der Mitarbeitenden verschleiern können. „One size does not fit all“ – frei übersetzt: Es gibt keine universelle Lösung, die allen Abteilungen eines Unternehmens gerecht werden könnte. Die Entwicklung von Software verläuft anders als die von Hardware, und beide Bereiche unterscheiden sich in ihren Raumanforderungen von Vertrieb oder PR. Auch Ayres hält Flexibilität deshalb für unverzichtbar, wenn es um die Gestaltung moderner Arbeitsräume geht.

Ob er mit seinen Einschätzungen recht behält? Das könnten uns die Daten schon in naher Zukunft verraten.

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