Bald ist es so weit: Am 20. März werden Homeoffice-Pflicht und 3G-Regelung am Arbeitsplatz wegfallen. Während die Arbeitswelt sich auch hierzulande vorsichtig an eine neue postpandemische Realität herantastet, bahnt sich jedoch schon eine neue Diskussion über die Zukunft von New Work an. Dabei dreht sich alles um die Frage, welche Rolle virtuelle Zusammenarbeit im Büro der Zukunft spielen soll.

Virtuelle Zusammenarbeit als logische Weiterentwicklung von New Work?

Unternehmen wie Meta (ehem. Facebook) wittern ihre große Chance, die Arbeitswelt der Zukunft entscheidend mitzuprägen. Das Metaverse, ein zusammenhängendes Universum aus immersiven Digitalwelten, das über Virtual Reality erlebbar und dank Augmented Reality auch mit der analogen Welt verzahnt wird, soll dabei die logische Weiterentwicklung einer kontinuierlich digitalisierten Arbeitswelt darstellen.

Virtuelle Zusammenarbeit sei die Antwort auf die wohlbekannten Schwachstellen digitaler Kollaboration, sagen die Befürworter:innen des Metaverse. Der Wegfall spontaner Interaktionen und kreativer Deep Dives wurde oft als größter Verlust der coronabedingten Homeoffice-Ära bemängelt. Immersive Anwendungen wie Metas Horizon Workrooms sollen diese nun auch im Kontext digitaler Fernarbeit ermöglichen.

Was das konkret bedeutet, lässt sich an einigen Schlagzeilen der vergangenen Wochen ablesen: Besonders US-amerikanische Medien- und Lifestyle-Unternehmen scheinen den Verheißungen des Metaverse zu trauen. So hat beispielsweise der Medienkonzern Vice Media das dänische Architekturstudio BIG (Bjarke Ingels Group) beauftragt, seinen neuen Firmensitz im Metaverse zu bauen.

junger Mann am Schreibtisch mit VR-Brille

Wie viel virtuelle Zusammenarbeit verträgt die Arbeitswelt?

Doch es regt sich Widerstand: Zwei Jahre Homeoffice haben nämlich selbst den enthusiastischsten Verfechter:innen von New Work die Grenzen digitaler Zusammenarbeit eindrücklich vorgeführt. Diese, bestätigen viele Studien, sind sowohl physischer als auch psychischer Natur.

Zum einen ist unser Körper nicht dafür gebaut, über längere Zeiträume vor einem Bildschirm zu sitzen. Im Homeoffice müssen jedoch oft der Küchentisch oder das Wohnzimmersofa als improvisierter Arbeitsplatz herhalten. Das hat Folgen: Laut einer Umfrage im Auftrag der Prüfgesellschaft Dekra gibt jede:r dritte Arbeitnehmer:in an, unter Verspannungen und Rückenproblemen infolge von Homeoffice zu leiden. Mit der weiteren Verbreitung rein digitaler Arbeitswelten wird das sicher nicht weniger werden.

Zum anderen hat der Mangel an direkten sozialen Interaktionen in einer zunehmend digitalisierten und virtualisierten Arbeitswelt Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter:innen. In Forschungen wurde festgestellt, dass introvertierte Mitarbeiter:innen den Wegfall analoger Interaktionen zwar teilweise als befreiend empfinden, dieser von extrovertierten Angestellten aber als schmerzhafter Verlust empfunden wird.

unge Frau mit Laptop am Wohnzimmertisch

Je digitaler die Arbeitswelt, desto analoger der Arbeitsplatz

Wie viel Virtualität verträgt also die Arbeitswelt? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, lohnt es sich vielleicht, jene Unternehmen unter die Lupe zu nehmen, die am stärksten an der Digitalisierung von New Work mitgewirkt haben. Denn diese mussten sich auch am längsten mit den Folgen auseinandersetzen.

Eine Reportage des New Yorkers, die 2016 die Bürogestaltung einiger der wichtigsten Digitalunternehmen der USA unter die Lupe genommen hat, ist damals schon zur Schlussfolgerung gekommen: „Je digitaler das Unternehmen, desto analoger der Arbeitsplatz.“ Diese Erkenntnis sollten wir in Hinblick auf die mögliche Etablierung virtueller Zusammenarbeit beherzigen.

Je mehr Zeit wir im Metaverse verbringen werden, desto eher werden wir als Ausgleich qualitätsvoll gestaltete, multifunktionale analoge Räume brauchen, in denen wir gemeinsam Zukunftsszenarien entwickeln und zusammen mit den Kolleg:innen das Feierabendgetränk genießen können. Im richtigen Maß kann Virtualität eine sinnvolle Ergänzung für unsere analoge Realität sein – wie dieses Maß aussieht, muss am Ende jede:r für sich selbst entscheiden.

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