Homeoffice gehört mittlerweile zum Arbeitsalltag, und auch gänzlich virtuelle Arbeitsräume sind längst keine Zukunftsszenarien mehr. Spätestens seit der Ankündigung von Mark Zuckerberg, seine Firma gänzlich auf das Metaverse auszurichten, ist der Hype rund um virtuelle Spaces in vollem Gange. Egal, ob Arbeit, Freizeit oder Kultur: Künftig sollen sich noch mehr Elemente unseres Lebens im virtuellen Raum abspielen. Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, setzt dabei auf die Fusion von Virtual und Augmented Reality (VR und AR). Wie aus dem Nichts hat sich auf Plattformen wie Decentraland und Sandbox ein virtueller Immobilienmarkt etabliert, der nach aktuellen Schätzungen noch in diesem Jahr die Milliardenmarke in Dollar knacken könnte.

Gegenüber bestehenden Bürolösungen bieten virtuelle Arbeitswelten viele Vorteile. Mit ihnen lassen sich Homeoffice und Fernarbeit noch besser in den Arbeitsalltag integrieren, und sie bieten eine nie dagewesene Flexibilität. Ein virtuelles Büro kann innerhalb von kürzester Zeit eingerichtet werden und hat keinerlei Grenzen bei der Skalierbarkeit. Nachhaltigkeit und Budget sind ebenfalls bessergestellt: Transport- und Erhaltungskosten gibt es im virtuellen Raum so gut wie keine mehr.

Auf ins Metaverse

Im sogenannten Metaverse finden sich diese virtuellen Räume und Anwendungen. Die neueste Entwicklung im Internet setzt auf VR-Brillen und Headsets, mit denen man von zu Hause aus in virtuelle Welten eintauchen und dank zusätzlicher Hardware wie Sensoren und Controller auch richtig interagieren kann. Mit Horizon Workrooms hat Meta nun seine erste Meeting-App gestartet – inklusive virtueller Whiteboards und Screen Sharing. Persönlicher und interaktiver als jeder Videocall soll die Anwendung sein. Teilnehmer:innen ohne entsprechende VR-Brillen werden aktuell zwar nicht ausgeschlossen, doch der Fokus liegt ganz klar auf den Nutzer:innen mit entsprechenden Geräten. Die App befindet sich derzeit im Beta-Stadium, verzichtet auf Schnickschnack und ist eine interessante Möglichkeit, Meetings durch Abwechslung zum aktuell herkömmlichen Videocall aufzulockern.

Womöglich gelingt der Durchbruch für digitale Arbeitsräume auch jenseits von VR und AR. In Gather treffen 2D-Räume im bunten Retro-Videospiellook auf Videocalls. So kann man sich in individuell gestaltbaren Umgebungen frei bewegen und die Übersicht behalten, wer heute im Office anwesend ist, sich aber auch jederzeit kleineren Meetings anschließen, um an Videochats teilzunehmen. Dank der 2D-Vogelperspektive verliert man nie die Übersicht.

Das immersive Erlebnis, welches VR verspricht, ist nicht das Ziel, der Fokus liegt auf spontanen Gesprächen und schneller Interaktion. Für Gather sind keine zusätzlichen Geräte neben einem Laptop nötig, daher ist die Plattform für mobiles Arbeiten besonders gut geeignet. Auch Großevents und virtuelle Messen lassen sich dank Skalierbarkeit und Kooperationspartner:innen, die virtuelle Räume für andere gestalten, leicht umsetzen. Das Konzept scheint gut anzukommen: Gather hat laut eigenen Angaben über zehn Millionen User:innen und konnte sich 77 Millionen Dollar Startkapital von Investor:innen sichern.

Mann mit VCR Brille am Laptop

Quo vadis, virtuelles Büro?

Es gibt heute einige Ideen, wie die virtuellen Arbeitsräume von morgen aussehen könnten, und einen regelrechten Hype rund um die Vorreiter:innen dieser Räume. Größtes Anwendungsgebiet könnten beispielsweise Messen sein, wie etwa die letztjährige Afrotech, die trotz Pandemie ein immersives Erlebnis bieten konnte – dank über 10.000 Teilnehmer:innen auf einem virtuellen 3D-Campus.

Doch bei all dem vorhandenen Potenzial und dem berüchtigten Hype sind konkrete und praktikable Lösungen bisher immer noch mit einem Aber versehen. Egal, ob in 2D, 3D, VR oder AR: Letztlich geht es darum, die Vorteile des Präsenzbüros auf die digitale Welt zu übertragen. Dabei stößt die aktuelle Technologie bereits an ihre Grenzen, denn der soziale Aspekt hat im virtuellen Büro nicht die Qualität, die er in einem echten Büro hat. Vielleicht muss er das auch nicht, denn die aktuellen Vorstöße zeigen, dass die Möglichkeiten des virtuellen Arbeitsplatzes gerade erst entdeckt werden. Ist das der Startschuss für ein neues Kapitel in der Arbeitskultur?

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