Unglaublich, aber wahr: Es ist bereits eineinhalb Jahre her, dass im März 2021 der erste bundesweite Lockdown ausgerufen wurde. Und wie so oft bei einschneidenden Ereignissen scheint alles erst gestern begonnen zu haben. Gleichzeitig tut man sich schwer, sich an das Leben „davor“ zu erinnern: An ein Leben, in dem Homeoffice keine Selbstverständlichkeit, das Wort „Workation“ nur den wenigsten ein Begriff und der Klimawandel das dominierende Medienthema war.

Zeit, Bilanz zu ziehen: Wir haben unsere persönlichen fünf wichtigsten Learnings aus den vergangenen Monaten zusammengetragen und ziehen hier daraus einige Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre.

1. Die Pandemie war kein Game-Changer, sondern ein Beschleuniger

Besonders in den ersten Monaten nach Ausbruch der Pandemie wütete in den Medien die Debatte darum, ob Corona als radikaler Epochenbruch gewertet werden sollte. Inzwischen lässt sich mit einiger Gewissheit sagen, dass COVID-19 vorhandene Trends beschleunigt, die Spielregeln aber nicht grundlegend neu definiert hat. So waren weder Homeoffice noch E-Commerce neue Phänomene – ihr rasantes Wachstum in den vergangenen Monaten wäre ohne Corona aber kaum denkbar gewesen.

Gleichzeitig vertreten Expert:innen wie der Marketing-Vordenker Scott Galloway oder der Philosoph Richard David Precht die Position, dass wir nicht eine Rückkehr zur Ausgangsposition, sondern die Etablierung einer „neuen Normalität“ („New Normal“) anstreben sollten. Anders gesagt: Wir sollten die Krise als Chance nutzen, um überfällige Veränderungen in Angriff zu nehmen – sowohl als Gesellschaft wie auch auf unternehmerischer Ebene (s. Punkt 4).

2. Das Büro erfährt eine neue Wertschätzung

Man lernt manche Dinge erst zu schätzen, wenn man sie verloren hat – so war es auch mit dem Büro. Viele Arbeitnehmer:innen haben das beispiellose globale Homeoffice-Experiment, das durch die Pandemie ausgelöst wurde, zuerst begrüßt und gefeiert. Mit dem Fortschreiten der Pandemie und der Verlängerung der Fernarbeit ist jedoch klar geworden, was in diesen langen Monaten verloren gegangen ist: Freundschaften, menschliche Kontakte sowie eine gewisse Spontaneität in der Interaktion, die besonders in kreativen Berufen unentbehrlich ist.

Ein Zurück wird es jedoch kaum geben – zu tiefgreifend waren die Veränderungen in unserem Arbeitsalltag: Haben 2018 nur knapp 5 Prozent der deutschen Arbeitnehmer:innen von zu Hause gearbeitet, waren es 2020 bis zu viermal so viele (Quelle: Handelsblatt). Und doch ist schon spürbar, dass gerade infolge der Pandemie das Büro als Ort der Gemeinschaft und des kollaborativen Arbeitens eine Renaissance erleben wird – wenn auch in Kombination mit neuen, digitalen Arbeitsformen (s. Punkt 5).

3. Digitale Zusammenarbeit erfordert klare Regeln und neuartige (digitale) Räume

Der mögliche Verlust des sozialen Zusammenlebens ist die vielleicht größte Schwachstelle des digitalen Arbeitens. Ein regelmäßiger Austausch mit Kolleg:innen ist und bleibt ein wesentlicher Teil eines gesunden Arbeitsumfeldes (s. Punkt 2). Das ist uns auch bei combine schnell klar geworden, weshalb wir beispielsweise freiwillige Formate wie den „combine Lunch“ entwickelt haben, bei dem zwei Kolleg:innen ausgelost werden, die dann virtuell miteinander zu Mittag essen. Solche virtuellen Räume könnten in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, und Unternehmen und HR-Abteilungen sollten darauf entsprechend vorbereitet sein.

Auch die Pausen, die man sich während der (digitalen) Arbeitszeit nicht gönnt, oder das Wegfallen von bewährten Strukturen und Gewohnheiten können schnell zur Belastung werden. Um dem vorzubeugen, sind Selbstorganisation, gegenseitiger Respekt und klare Spielregeln in der gemeinsamen Zusammenarbeit unverzichtbar. Mit Zunahme der digitalen Arbeitsformen werden sich sowohl Arbeitnehmer:innen als auch Arbeitgeber:innen auf einen langfristigen Lernprozess einlassen müssen, um diese zu verinnerlichen.

4. Gute Vorbereitung zahlt sich (nicht nur in Krisenzeiten) aus

Bild hybrides Arbeiten

Nicht nur gute Hardware und ein schnelles Netz waren ausschlaggebend, um Erfolg oder Scheitern in Zeiten der Pandemie zu definieren. Auch Unternehmen, die sich schon länger mit agilen Arbeitsmethoden und digitalen Tools auseinandergesetzt hatten, haben in den vergangenen Monaten von ihrer Vorarbeit profitiert. Für digitale Kommunikationsunternehmen und Start-ups war die Umstellung deshalb wesentlich einfacher als für konservative Unternehmen oder das produzierende Gewerbe.

Jetzt bewahrheitet sich, was viele Digitalisierungsexperten schon seit Jahren vorhersagen: Resilienz und Anpassungsfähigkeit sind im 21. Jahrhundert unentbehrliche Grundvoraussetzungen, um in einem kompetitiven, krisenanfälligen wirtschaftlichen Umfeld überleben zu können. Dazu gehört auch ein moderner, flexibler Arbeitsort, der eine sinnvolle Integration analoger und digitaler Arbeitsformen (s. Punkt 5) sowie eine schnelle Anpassung an wechselnde Umstände ermöglicht.

5. Hybriden Arbeitsmethoden gehört die Zukunft

Digital oder analog? Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben uns gelehrt, dass die korrekte Antwort „beides!“ lautet. Denn jede Arbeitsform hat ihre Vor- und Nachteile, und nur die Kombination der zwei Modelle wird es Arbeitgeber:innen und -nehmer:innen ermöglichen, das Beste aus beiden Welten für sich zu sichern. Das Büro wird dabei eine Schlüsselrolle spielen, denn es ist der Ort, an dem beide Arbeitswelten zusammenkommen und sich der Gemeinschaftssinn entwickelt, der für den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens unentbehrlich ist.